Aldo Mozzini, «La città sospesa», 2026
«E#01»
Kette, Fenster, Wabenkarton weissbeschichtet, Sperrholz, Theatersperrholz
190 x 100 x 95 cm
«E#02»
Kette, Fenster mit Joghurtzeichnung, Wabenkarton weissbeschichtet, Sperrholz,
Theatersperrholz. 140 x 83 x 77 cm
«E#03»
Kette, Fenster, Sperrholzplaten, Farbe. 175 x 88 x 82 cm
Georgette Maag, «Spielwiese», 2026
Video HD, 16:9, Deckenprojektion
Georgette Maag, «Streulicht», 2026
Projektion auf Bühnenwand
Aldo Mozzini, «Veduta», 2026
14 Zeichnungen auf Blue Back gedruckt und auf Boden tapeziert, ca. 90 m2
Aldo Mozzini, «Veduta #001», 2023
Teppich tibetische Knüpfung. 145 x 200 cm
Aldo Mozzini, 2026
Bank, Abfalleimer, Robidog aus dem Werkhof Brugg
Aldo Mozzini, «Quasi cani III», 2026
Lappen aus dem Tiefdruck, Plastikabfälle aus dem Haushalt. Grösse variabel
Georgette Maag, «Tu sueño», 2020–2026
Wolkenkratzer zusammengesetzt aus 20 Zeichnungen, Graphit und Öl auf Papier
Gesamtgrösse ca. 245 x 173 cm
Georgette Maag, «Derweilen», 2026
Videowand mit verschiedenen Strassenstücken in unterschiedlichen Monitoren
Aldo Mozzini, «Gasthaus», 2026
MDF beschichtet, Balkontüren, Graukarton, Fliegenvorhang aus grünen
Gummistreifen, Hohlkammerstegplatten, LED Panel. 220 x 270 x 300 cm
Links: Aldo Mozzini, «Turm», 2026
Theatersperrholz, graue Abdeckfolie. 250 x 125 x 115 cm
Mitte : Georgette Maag, «Flüchtiger Bau», 2026
Aldo Mozzini, «Sgabello *04», 2020
Verschiedene Holzarten. 52 x 35 x 28 cm
Rechts: Aldo Mozzini, «Wall», 2026
Theatersperrholz, Sperrholz, Farbe. 250 x 296 x 91 cm
Alle Fotos: Georg Aerni
25.04. — 21.06.2026
URBAN PLAYGROUND
GEORGETTE MAAG
ALDO MOZZINI
ZIMMERMANNHAUS BRUGG
Räume sind ihr Thema, die Erzählkraft schlichter Materialien und die Poesie des
Alltäglichen. Wenn sich Georgette Maag (*1955 in Zürich, lebt und arbeitet in Zürich)
und Aldo Mozzini (*1956 in Locarno, lebt und arbeitet in Zürich) zusammentun, ist eine
hohe Aufmerksamkeit am Werk. Hier gilt sie dem städtischen Raum, als Schauplatz,
als Kumulation von Provisorien und Beiläufigkeiten. Im spielerischen Nachbau von
Architektur und im Aufzeichnen scheinbar ganz gewöhnlicher Situationen entführen
uns die Kunstschaffenden in ein facettenreiches Denkmodell. Ihre Zusammenarbeit
verstärkt, was beide künstlerisch schon lange interessiert: die Schönheit des Unfertigen,
das Gedächtnis von Orten, die Beweglichkeit von Mobiliar, der Einfall von Licht oder die
Frage, wie sich scheinbar geschlossene Räume ins Fantastische öffnen können.
Mit der Carte Blanche an Maag und Mozzini hat sich das Zimmermannhaus gleichsam
einem Experiment ausgesetzt. «Urban Playground» nimmt alle Stockwerke ein und
macht auch den eigenen Standort zum Gegenstand einer ästhetischen Recherche:
Unter dem Motto «Du siehst etwas, was ich nicht sehe» ist die ganze Stadt eingeladen,
den Blick auf Brugg in digitale Bilder zu fassen und so an einem wachsenden Porträt
teilzuhaben: Rückt sie Architektur ins Bild, die Aare, Begegnungen aus der City? Solche
Teilhabe, von Woche zu Woche ausgedruckt und im Erdgeschoss präsentiert, schreibt
eine Haltung fort, die beide Werkkomplexe unabhängig voneinander in sich tragen.
«Ziel der Installation sind nicht Schliessungen, sondern Öffnungen», sagt Mozzini. Und
an Maags Blick aufs städtische Pflaster haben Wartende, Gehende, Spielende ganz
selbstverständlich Teil am Bild urbaner Wirklichkeiten.
Häuser und Gassen, Innen- und Aussenräume, eine Piazza laden im ersten Obergeschoss
zu einem Parcours ein. Vor wolkenlosem Himmel reichen sich Bauarbeiter
an der Stirnwand die Stangen eines Baugerüsts: Im Gegenlicht wird ihre koordinierte
Bewegung zur eigengesetzlichen Choreografie. Bauen ist ein Tanz und Balanceakt,
ein Werden und Vergehen im Status des Vergänglichen. Die Hütten oder Verschläge,
von Mozzini gezimmert mit sparsamen Mitteln und in Rücksicht auf Raum- und
Lichtverhältnisse, behausen Maags Videoarbeiten. Screens simulieren Fenster und
Bilderrahmen, die Künstlerin steht im Luftzug an der Schwelle zum Aussenraum. Einmal
schraubt sie eine Wendeltreppe Schritt um Schritt in den Boden, einmal wird ein Tisch
zu ihrer Spiegelung und Projektion. Über schmalen Gassen zeigt sich Himmel als Strom
aus Licht, im Blick nach oben bahnt sich das Bewegtbild eine alternative Kartografie.
Der Lauf der Videosequenzen schlägt uns stehende, liegende, gehende Positionen vor,
während kleine Sitzgelegenheiten die Zeit zurückdrehen an den Ort, als Mozzini noch
Kind war und das Spiel mit Grössenverhältnissen Teil des richtigen Lebens.
Den Ausstellungsraum im zweiten Obergeschoss betreten wir durch eine Stadt
im Dunst. Maag schickt uns vor der verglasten Wand in die Erinnerung an eine
Schönwetterreise mit Aussicht über Dächer und ins Grün. Innen hat Aldo Mozzini den
Boden mit Zeichnungen tapeziert. Wer sich auskennt in der Stadt, wird Bauten und
Orte benennen können: Bruggs schwarzer Turm ist als Umrisszeichnung da, Fassaden
entlang der Aare, Treppenabgänge, Balkonbrüstungen. Das Relief des Terrakottabodens
bleibt spürbar unter unseren Sohlen, hie und da wird das Papier Risse bekommen und
von Mozzini mit einem neuen Fragment überdeckt. Denn auch das macht Stadt aus:
dass sie kaum noch freie Flächen kennt, dass jedem Haus ein anderes vorausging,
dass Zeiträume und Nutzungen sich aufeinander türmen oder unser Bedarf nach Licht
und Weite den Fassaden grosse Fenster gibt. An der Wand treffen Strassenszenen aus
verschiedenen Orten auf die Stadt im Wandel. Eine einzige Tonspur lässt Bauschutt in
hellem Klirren zu Boden oder in die Mulde fallen; jetzt erst fällt auf, wie sehr uns diese
Kunst in aller Stille schauen lässt. Sitzbank, Robidog und Abfalleimer sind Leihgaben der
Stadt. Der Hund am Boden ruht – nur jetzt oder für immer? Das treue Tier verdankt sich
dem in einem Monat angefallenen Plastik aus Mozzinis Haushaltung und mehr noch den
Streicheleinheiten, mit denen seine Kursteilnehmenden im Druckatelier selbstvergessen
die Farbe von den Händen wischten.
Fassen Georgette Maag und Aldo Mozzini die Dichte und Brüchigkeit urbaner Räume
im Dachgeschoss zu einer Totale zusammen? Der Grenzgang zwischen Erzählen und
Beleuchten, zwischen Bauen und Demontieren schafft noch einmal Platz für das, was
wir in Bezug auf den gebauten Raum zu vergessen gewohnt sind: Dass Innen und
Aussen zuerst der Vorstellung entspringen. Dass sich manchmal nichts bewegt als ein
wachsender Schatten. Dass ein ganz realer Raum sich im Umdrehen verabschieden
kann.
Isabel Zürcher
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